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Ein Gespräch mit Karl-Josef Brockmanns, dem Erfinder und Entwickler des artdepo. (von Marco Heuer)
Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens. So hat es Jean Paul einmal formuliert. Er war Schriftsteller. Sie sind Textilmaschinenhersteller und obendrein Erfinder des artdepo. Haben Sie nach viel Brot jetzt auch mal Lust auf Wein verspürt?

Ehrlich gesagt habe ich mich immer schon für Wein interessiert (lacht). Aber wenn Sie mich nach meiner Begeisterung für Kunst fragen, dann muss ich sagen: Die gibt es schon lange - spätestens seit meiner Ausbildung als technischer Zeichner. Mitte der 80er Jahre habe ich mich intensiv mit moderner Kunst auseinandergesetzt. Ich tummelte mich auf vielen Kunstausstellungen und Kunstmessen.

Und auf einmal waren Sie überzeugt: Der Kunstmarkt braucht ein artdepo?

So schnell nicht. Aber der Grundstein für meine Idee wurde sicherlich bereits Ende der 80er Jahre gelegt. Ich verbrachte damals mit meiner Familie die Ferien auf Zypern und lernte die Künstlerin Maria Anastasiasu kennen. Ich war begeistert und entschied mich spontan, ihre Arbeiten nach Deutschland zu holen und eine Ausstellung in meinem Haus zu organisieren. Das war 1992. Es folgten 30 weitere Expositionen. Meine Kontakte zu Künstlern wurden immer zahlreicher, und schließlich gründete ich meine erste eigene Galerie (www.galerie-schageshof.de).

Und die Bilder stapelten und stapelten sich zunehmend in Ihrem Haus?

Das kann man so sagen. Mir fehlte einfach der Platz. Ich entschied mich, ein manuelles Bild-Schiebewandsystem in meine Galerie einzubauen - um Platz zu sparen und um die Kunstwerke artgerecht zu lagern. Bei der Entwicklung kam mir die Idee, diese Bildspeicherung zu automatisieren.

Die Geburtsstunde des artdepo?

Ja. Es folgte die Patentanmeldung 1996. Gleichzeitig begann ich mit der Entwicklung eines Prototyps. All das zunächst in Eigenregie und in meiner Freizeit. So gingen einige Jahre ins Land, denn hauptberuflich war ich damals in einem großen europäischen Textilmaschinenbauunternehmen tätig.

Aber die Kunst hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Wurde das Hobby zunehmend zum Beruf?

Vielleicht sogar zur Berufung, zumal ich zwischen den Arbeitswelten von Ingenieuren und Künstlern immer mehr Parallelen entdeckte. Kreativ arbeiten, an Innovationen feilen und einem neuen Produkt meinen Stempel aufdrücken - das hat mich auch am artdepo gereizt.

Ihre Vita liest sich wie eine konsequente Umsetzung Ihrer unternehmerischen und künstlerischen Ambitionen. Sie haben sich für die Selbständigkeit entschieden und sind seit 1997 alleiniger Inhaber und Geschäftsführer der Holthausen Maschinenbau GmbH in Viersen. Ist das artdepo mit eingezogen?

Ja, denn das artdepo war mit ein Grund für den Kauf der Firma Holthausen. Nicht weil der Käuferkreis identisch war, sondern weil das artdepo eine gewisse Nähe zu den Maschinenkonzepten und Softwarestrukturen der klassischen Firmen-Produkte darstellt.

Ende der 90er Jahre schließlich wurde die Entwicklung des artdepo durch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AIF) gefördert. Namhafte Unternehmensberatungen und Experten der Kunstszene haben Ihnen gute Chancen eingeräumt, das artdepo in Deutschland erfolgreich zu vermarkten. Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Ich möchte mit dem artdepo ein alternatives und neues Medium in der Kunst- und Ausstellungsszene etablieren. Museen hätten zum Beispiel eine große Chance, den Besuchern ihre Kunstwerke auf innovative Weise zu präsentieren. Die Archivierung der Bildbestände könnte mit dem artdepo komplett modernisiert werden. Gleiches gilt für Galerien, Auktionshäuser oder den privaten Kunstsammler. Es sind aber auch noch viele andere Anwendungen denkbar.

Wann wird die Öffentlichkeit wieder von Ihnen hören?

Spätestens Anfang September. Bei einer zweitägigen outdoor-Veranstaltung in der Kölner Innenstadt präsentieren wir das artdepo erstmals einer breiten Öffentlichkeit. Und im Oktober sind wir auf der Kölner Messe Exponatec vertreten.

Herr Brockmanns, vielen Dank für das Gespräch.